Gesamtwirtschaftliche Situation
Die Weltwirtschaft stand 2023 unter dem Einfluss einer hohen Inflation sowie der darauffolgenden restriktiven Zinspolitik der Zentralbanken. Obwohl die Inflation durch die Anhebung der Leitzinssätze gedämpft werden konnte und für 2024 ein weiterer Rückgang der Inflation erwartet wird, stellen die Verbraucherpreise eine Herausforderung dar. In den Schwellen- und Entwicklungsländern hat sich das Wachstum deutlich abgeschwächt. Sinnbildlich dafür steht die andauernde Krise im chinesischen Immobiliensektor.
Branchensituation
Auf den Energiemärkten hat sich die Entspannung auf hohem Niveau weiter fortgesetzt. Die konjunk-turelle Eintrübung und die Zurückhaltung beim Verbrauch angesichts noch relativ hoher Energiepreise waren deutlich spürbar. So sank der Stromverbrauch gegenüber dem Vorjahr um 3,3%. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld auch in 2024 von großer Unsicherheit und Volatilität geprägt.
Strommarkt
Im Jahr 2023 lag der durchschnittliche Spotmarktpreis mit 95,18 Euro/MWh rund 140 Euro/MWH unter dem Niveau des Vorjahres. Auch der durchschnittliche Preis am Terminmarkt war deutlich unter dem des Vorjahres. Der Preisrückgang resultiert vor allem auf niedrigere Preise beim Betrieb von Gas- und Kohlekraftwerken. Weiter waren durch die hohe Erzeugung aus erneuerbaren Energien die Einsatzzeiten thermischer Kraftwerke deutlich reduziert.
Gasmarkt
Am Gasmarkt kam es zu einem deutlichen Preisrückgang im ersten Halbjahr 2023. Die Gründe hierfür waren ein milder Winter, eine Nachfragereduzierung in Europa und deutlich mehr LNG Lieferungen in Nordwesteuropa durch neu geschaffene LNG Infrastruktur. Sowohl Im Haushalt als auch bei der Industrie gab es deutliche Gaseinsparungen. Die Gasspeicher hatten im November 2023 einen Füllstand von 100% erreicht. Die Auswirkungen der Absenkung der Mehrwertsteuer auf Erdgas waren marginal.
Klimaschutz
Das Klimaschutzgesetz wurde grundlegend überarbeitet. Künftig soll die Bundesregierung sektorenübergreifend für das Erreichen der Klimaschutzziele 2030 verantwortlich sein. Nachdem der Verkehrs- und der Gebäudesektor mehrfach die gesteckten Ziele nicht erreichen konnte, wird die Sektorenverantwortung aufgegeben.
Zur weiteren Dekarbonisierung des Energiesektors wurde vom Wirtschaftsministerium Eckpunkte für die Ausschreibungen zur neuen Kraftwerksstrategie veröffentlicht. Geplant ist der Bau von H2-ready-Gaskraftwerken die zwischen 2035 und 2040 vollständig auf Wasserstoff umgestellt werden sollen.
Mit der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes wurde eine umfangreiche Modernisierungsoffensive angestoßen. Gemeinsam mit der kommunalen Wärmeplanung soll es den Treibhausgasausstoß im Gebäudesektor senken. Das Wärmeplanungsgesetz ist zum 01. Januar 2024 in Kraft getreten. Die Bundesländer müssen sicherstellen, dass bis spätestens 30.06.2028 alle Kommunen eine Wärmeplanung erstellt haben. Hier soll eine enge Verzahnung mit dem Gebäudeenergiegesetz erfolgen.
Chancen und Risiken der Gesellschaft
Das Unternehmen hat im laufenden Geschäftsjahr alle wesentlichen Risiken der Gesellschaft neu erfasst, aktualisiert und hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit bewertet. Risiken, die sich aus dem Markt ergeben, sind beispielsweise Verträge mit Tarif- und Sondervertragskunden, die auf Laufzeiten und Margenentwicklungen überwacht werden müssen.
Ein hohes Risiko besteht darin, die extrem gestiegenen Handelskosten im Haushalts- und Gewerbebereich nicht weiter geben zu können, da diese mit festen Preisen vereinbart sind und sich an anderen Marktpreisen messen lassen müssen. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen für Vertragskunden wurden so abgeändert, dass erst ab 01. Januar 2024 Preisgarantien auf die Laufzeit garantiert werden. Änderungen bei Umlagen, Abgaben und Steuern werden künftig direkt und ohne Zeitverzug weitergegeben. Dies gilt jedoch nicht für die Grundversorgung, in der zwingende Bruttopreise zu vereinbaren sind.
Weitere Risiken sind der mögliche Wegfall von Großkunden in der Strom- und Gasversorgung. Besonders gefährdet sind Konzern- und Kettenkunden.
Allgemeine Risiken können auch durch Forderungsausfälle bei Großkunden entstehen, die beispielsweise durch die wirtschaftliche Entwicklung infolge der stark gestiegenen Energiepreise besonders betroffen sind. Die Gesellschaft hat bereits in der Vergangenheit vor Vertragsabschlüssen ab einer gewissen Größenordnung grundsätzlich eine Bonitätsprüfung durch Dritte vorgenommen, auch bei langjährigen Bestandskunden.
Von dem neu geschaffenen Leistungsverweigerungsrecht für Verbraucher sowie Kleinunternehmen bei fortlaufenden Verpflichtungen haben bisher sehr wenige Kunden Gebrauch gemacht. Die in diesem Zusammenhang gestundeten Forderungen belaufen sich auf einen geringen Betrag.
Nach Aufnahme und Auswertung aller bekannten Risiken wurde festgestellt, dass der Fortbestand des Unternehmens nicht gefährdet ist.
Ertragslage
Der Jahresüberschuss nach Steuern beträgt 124 Tsd. Euro (Vj. 554 TEuro) und liegt damit bedingt durch niedrigere Margen unter dem Vorjahresgewinn. Für das Jahr 2024 rechnen wir durch kurzfristig erhöhte Netznutzungsentgelte im Aufwand, die wir ertragsmäßig nicht an die Kunden in 2024 weitgeben konnten mit einem Jahresverlust von rund 1,1 Mio. Euro. Die Forderung aus Netznutzungsentgelten auf dem Regulierungskonto betragen zum 31.12.2024 voraussichtlich 3,8 Mio. Euro und werden in den Folgejahren bis 2029 zusätzlich ausgeschüttet.
Wichtige finanzielle Leistungsindikatoren für unser Unternehmen sind:
Die Eigenkapitalrendite: hat in 2023 0,74% (Vorjahr 3,33%) betragen.
Die Gesamtkapitalrendite hat in 2023 1,63% (Vorjahr 2,56%) betragen.
Die Nettoverschuldung in Jahren bezogen auf den Cash Flow (=(FK – flüssige Mittel) / CF) betrug in 2023 9,21 Jahre (Vorjahr 8,20 Jahre).
Alle drei Leistungsindikatoren sind durch gesunkene Margen im Verkauf verursacht.
Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
Anzahl der Kunden
Hier gibt es für den Bereich der Stadtwerke zwei Sichtweisen. Einmal aus der Sicht des Netzbetreibers und einmal aus der Sicht des Lieferanten.
Aus Sicht des Netzbetreiber hatten wir zum 31.12.2023 21.347 Zählpunkte (Vorjahr 21.333 Zählpunkte) im Bereich Strom und 3.862 Zählpunkte im Bereich Gas (Vorjahr 3.868 Zählpunkte). Hier haben wir eine leichte Steigerung beim Strom bzw. eine leichte Minderung beim Gas auf konstant gutem Niveau. Die Zählpunkte der ONG sind hier mitenthalten, da die Stadtwerke Netzbetreiber für Mosbach, Elztal und Schefflenz sind.
Beim Lieferanten Stadtwerke Mosbach wurden in der Stromversorgung in 2023 15.349 Zählpunkte (Vorjahr 16.247) beliefert und in der Gasversorgung in 2023 waren es 3.283 (Vorjahr 3.405). Hier wirken sich die Preiserhöhungen zum 01.06.2023 mit verstärkter Wechseltätigkeit aus.
Arbeitnehmerbelange
Im Jahre 2023 waren 6 Kollegen altersbedingt oder aus sonstigen Gründen aus dem Unternehmen ausgeschieden. 7 Personen wurden in 2022 neu eingestellt, sodass zum 31.12.2023 ein Mitarbeiter mehr als zum 31.12.2022 beschäftigt war. Dies war eine hohe Fluktuation für unseren Betrieb und hängt teilweise mit den gestiegenen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und teilweise mit dem Eintritt in die Rente zusammen.
In allen Abteilungen werden für die Mitarbeiter Fortbildungsmaßnahen angeboten, welche von den Mitarbeitern auch sehr gut angenommen werden.
Soziales und kulturelles Engagement
Die Stadtwerke unterstützen seit vielen Jahren den Mosbacher Sommer als einer der Sponsoren, besonders beim Open Air Kino.
Weiterhin unterstützen wir auch in 2023 Schulprojekte in Kenia, Afrika, durch Solartechnik Kerosin- und Paraffinlampen zu ersetzen sowie durch Brunnenbohrungen sauberes Trinkwasser zu erhalten.